Das war: PLÜNDERN! – Hinter den Kulissen von NAKT INTERFEST

Eine Woche nach unserer Aufführung Plündern – NAKT Interfest – Kharkiv meets Hamburg sitze ich mit einem Freund in der Kneipe. Er hat unsere Premiere gesehen und ist sehr interessiert daran, zu erfahren, wie der Produktionsprozess bei diesem besonderen Projekt war.
Ich hätte auf dem Programmzettel gern die konkreten Zuständigkeiten gelesen“ sagt er. „Wer hat denn nun was gemacht? Und wie habt ihr innerhalb einer Woche so ein Stück hingekriegt?“
Gute Frage, denk ich. „Das ist gar nicht so einfach zu beschreiben.“ sag ich. „Das müssen wir gerade selbst alles ordnen. Aber das Benennen von Zuständigkeiten haben wir bewusst vermieden, denn die gab es so konkret nicht. Das hat alles ineinander gegriffen“.
Ich finde, dass besondere Projekte auch besondere Berichterstattung erfordern. Und weil ich über die Zeit dann doch die Frau für die Texte war, versuche ich jetzt – mehr als einen Monat später – unsere gemeinsame Woche zu umreißen – für alle, die sich für studentische, kollektiv angelegte, internationale Vielmenschen-Produktionsprozesse interessieren.

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Rahmenbedingungen: Hamburger Gruppe, vornehmlich Studierende des Masterstudiengangs Performance Studies der Uni Hamburg, kooperierend mit Regiestudierenden der Theaterakademie, Studierenden des Schauspielstudio Frese Hamburg und Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, lädt Schauspielklasse der Nationalen Universität der Künste Kharkiv, Ukraine, für eine Woche ein, um gemeinsam ein Stück zu produzieren. All das geschieht mit Geldern des Auswärtigen Amts, die ein Jahr vorher auf Initiative des Berliner Theaterensembles WHEELS, zu dem zwei der Hamburger Beteiligten gehören, beantragt worden. Das Projekt ist rein studentisch organisiert, wird also in keiner Weise von Professor*innen oder Dozierenden der verschiedenen Hochschulen betreut – lediglich teilweise organisierend mitgetragen. Vierundfünfzig Mitwirkende zählen wir am Ende: die eine Hälfte aus Kharkiv, die andere Hälfte aus Hamburg und Berlin.

Verhandlungsarbeit im Vorfeld: Da ein so großes Projekt normalerweise nicht im Curriculum der Performance Studies vorgesehen ist, ist es an uns, es irgendwie hineinzuverhandeln und elegant einzubetten. Im Allgemeinen gibt es zwar grünes Licht seitens der Studiengangsleitung – aber wie das im Konkreten aussehen kann, muss geplant und abgestimmt werden. So gibt es zahlreiche kleinere und größere Gespräche mit den Dozierenden – ist es möglich, Seminare in der Woche ausfallen zu lassen? Dürfen Studierende fehlen? Können Seminarinhalte irgendwie in die Proben eingebettet werden? Alle drei Optionen werden möglich gemacht und wir sind glücklich, die Woche nahezu komplett für unser Projekt zur Verfügung zu haben.

Rekonstruiertes Beispiel eines solchen Gesprächs:
Studi: Liebe*r Dozent*in XY, wie Sie ja wissen, findet Anfang Dezember unser Austauschprojekt mit der Ukraine statt.
Dozent*in: wissend-neugierig Ja?
Studi: Da wir ein qualitativ hochwertiges Projekt auf die Beine stellen wollen, freuen wir uns über jede Stunde, die wir zum Proben haben ..
Dozent*in: verschmitzt Ja?
Studi: Wir fragten uns deshalb, ob es wohl möglich ist, dass alle Performance-Studierenden aus diesem Seminar in dieser Woche fehlen könnten, ohne, dass es eine offizielle Fehlzeit wird?
Dozent*in: gütig Ich denke, das lässt sich einrichten.
Studi: Und wenn wir jetzt weiter denken…
Dozent*in: interessiert-verschmitzt Ja?
Studi: Sie wissen ja, dass die Probenraumsituation in Hamburg eine eher schwierige ist.
Dozent*in: bestätigend Das stimmt.
Studi: Und unser Seminar findet ja normalerweise auf dieser schönen Studiobühne hier statt.
Dozent*in: fröhlich Auch das ist richtig.
Studi: Gäbe es denn eine Möglichkeit, dass Sie mit dem nun verkleinerten Seminar einen Ausweichraum belegen könnten?
Dozent*in: gütig-belustigt Ich kann versuchen, etwas zu organisieren.
Studi atmet befreit auf und bedankt sich überschwänglich
Dozent*in: nach einer Pause, sehr fröhlich Was die Studierenden hier tun, ist eigentlich ganz schön frech: Erst das Seminar nicht besuchen wollen und es dann auch noch freundlich des Raumes verweisen.
Mimik und Gestik verraten, dass das Vorgehen der Studierenden geheimerweise dennoch als charmant empfunden wird

Jetzt aber ans Eingemachte!

Vor der Probenwoche im Rahmen verschiedener Arbeitsgruppen fertig organisiert oder in groben Strukturen angelegt:
-Spielstätte – Kampnagel K1 – und alle dafür erforderlichen Absprachen
-Arbeitsthema (Fachkonferenz zum Weltuntergang, inspirierende Grundlage dazu Jura Soyfers Stück „Weltuntergang“ – angeregt durch unsere ukrainischen Gäste)
-sehr offene Arbeitsstruktur, entwickelt von uns Gastgeber*innen
-Unterkunft (Hostel) und jede Menge Fahrscheine
-Fünf Proberäume, quer verteilt über die ganze Stadt
-sich zuständig fühlende Begleitpersonen für den kompetenten und pünktlichen Gästetransfer durchs Hamburger U-Bahn-Wirrwarr
-tägliche, mindestens zweifache, möglichst unaufwändige, kostengünstige und dennoch nahrhafte Beköstigung für fünfzig Menschen

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Kennenlernen I: Unser reguläres Tanzseminar am Montagmorgen haben wir auf ein Kennenlernseminar umgebaut. Statt normalerweise zehn stehen plötzlich knapp fünfzig Leute in der Gymnastikhalle. Kennenlernen durch Körperarbeit steht auf dem Programm, angeleitet von unserer Dozentin Su Jin Kim. Dazu gesellen sich erste choreographische Ideen zum Thema „Weltuntergang“, erdacht und vorgestellt von unserem Choreografie-Satelliten (Was das ist? Dazu später). Wir beschnuppern uns, stolpern über Sprachbarrieren, rappeln uns auf, bekommen ein Gefühl füreinander. Das ist alles ganz schön spannend und mit dreieinhalb Stunden Dauer auch wunderbar intensiv.

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dsc_0440Kennenlernen II: Wir Hamburger und die Kharkiver Gruppe haben uns ganz unterschiedlich auf den „gemeinsamen Weltuntergang“ vorbereitet. Am Montag Nachmittag spielen uns unsere ukrainischen Gäste das gesamte Stück von Jura Soyfer vor, das sie als studentische Arbeit inszeniert haben. Das ist gut, denn so sehen wir ganz praktisch, wie verschieden unsere Arbeitsweisen und Ästhetiken sind. Während wir in Hamburg sehr performativ-metaphorisch arbeiten, beschäftigen sich die Studierenden aus Kharkiv vornehmlich mit der klassischen Schauspielkunst nach Stanislawski – in ihrem Stück kräftig durchsetzt mit fein gearbeiteten Slapstick-Nummern. Wie wird das am Ende alles zusammengehen? Wir sind gespannt.

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Arbeitsstruktur: Plündern-Speeddating – möglichst schnell viel gutes Material, aber wie? Eine Woche, fünfzig Künstler*innen, kein*e feste*r Regisseur*in, ein Stück. Da muss eine Arbeitsstruktur her, die relativ offen, relativ zuverlässig, konstruktiv und effizient Material generiert, in dem sich jede*r wiederfindet, mit dem sich jede*r wohlfühlt, das man direkt in ein Stück einbauen und an dem man nicht mehr viel herumproben muss.

Bei uns gibt es fünf Kleingruppen (genannt Spaceships), die unterschiedliche Sichtweisen auf den Weltuntergang verkörpern (Journalists, Scientists, Children, Politics, Artists) und am Schluss auf unserer performativen Fachtagung zusammen auftreten. Jedes Spaceship wird von einem Zweier- oder Dreierteam von Spaceshipkapitän*innen koordiniert, das sich im Vorfeld grobe Gedanken über eine mögliche Arbeitsweise gemacht hat (medial, tänzerisch, sprachlich, usw.). Zusätzlich erhält jede Gruppe einen Materialkoffer mit Requisiten, Begleittexten und Rollenvorschlägen zur freien Verwendung.

dsc_0481Fast alle am Projekt Beteiligten ordnen sich am Montagnachmittag im Speeddatingprinzip einem Spaceship zu. Einige wenige bleiben über, um den Arbeitsprozess von außen zu begleiten. So haben fünf Tage vor der Premiere alle mehr oder weniger ihren Platz für die Endproduktion und die eigentlichen Proben können beginnen.

UFO-Team und UFO-Talk: Das UFO-Team besteht im Kern aus vier Leuten, die sich im Vorbereitungsprozess als die inhaltlich-strukturell überblickreichsten / involviertesten herauskristallisiert haben und den (künstlerischen) Laden über die Probenwoche zusammen halten. Das Team entwirft und kommuniziert die Probenpläne, stimmt die einzelnen Arbeitsgruppen aufeinander ab und behält den Überblick über die Gesamtdramaturgie. Lange Besprechungsrunden in der Vorbereitung und am Ende jeden Tages, bei denen Proben ausgewertet und Pläne für die nächsten Tage geschmiedet werden sind die Folgen dieser Aufgabenstruktur. Da alles mehr oderf9a2d2e8-2c8d-4e2d-9de7-aa5dfc4594cc weniger gemeinsam entschieden werden soll und Alleingänge möglichst zu vermeiden sind, ist es oft nicht leicht, „das Richtige“ zu finden. Dennoch ergibt es sich: früher oder später, nach vielen Tüfteleien, Diskussionen und Überlegungen. Vorschläge kann jede*r machen und werden auch umgesetzt, so lang niemand der Anwesenden ein Problem darin sieht.
Ergänzt wird das Kernteam immer wieder von anderen Projektmitwirkenden, die am aktuellen Punkt des Probenprozesses weiterführende Beiträge leisten können und wollen.
Es schieben sich also allein in diesem Team die Aufgaben ständig hin und her, sodass die Verantwortung und Zuständigkeit letztendlich bei allen – also der gesamten Gruppe – liegt.

Spaceships: Die Spaceships sind Gruppen von jeweils acht bis zehn Leuten und haben drei Vormittage, um ihr Material zu entwickeln. Dabei gehen sie zum Einstieg ganz unterschiedlich vor: dsc_0491Improvisationsspiele und Versuchsanordnungen, inspirierende Kamerarundgänge durch die Stadt, lange Gespräche, Körperarbeit und oder Arbeit an konkreten Texten, Musiken und anderen Inhalten. Das breite Spektrum der in unserer Gruppe versammelten Arbeitsansätze und Talente wird uns bei der ersten Zwischenpräsentation am Dienstag Nachmittag bewusst, bei der jedes Spaceship zeigt und vorstellt, was zuvor erarbeitet wurde. Am Mittwoch Vormittag wird das Materialdsc_1250 verfeinert und fortgeführt und am Nachmittag wieder der Gesamtgruppe präsentiert, diesmal bereits in einer ersten szenischen Anordnung im Hinblick auf die Abschlussaufführung. Nachdem das UFO-Team am selben Tag bis in die Nacht hinein diskutiert und ausgewertet hat, gibt es am Donnerstag zum Probenbeginn konkretes Feedback für jedes einzelne Spaceship, das wichtige Aspekte im Hinblick auf die Gesamtaufführung am Ende zusammenfasst und die dsc_1030Spaceships aus Unsicherheiten in sicheres galaktisches Fahrwasser geleitet (oder geleiten soll) – denn, wie in jedem Probenprozess, gibt es auch bei uns Missverständnisse, verschiedene Sicht- und Arbeitsweisen und hinzukommend Sprachbarrieren, die innerhalb kürzester Zeit überwunden oder umgangen werden müssen.
Allen Unsicherheiten zum Trotz haben wir Donnerstag Nachmittag bei der letzten Zwischenpräsentation sehr hochwertiges, buntes, berührendes und witziges Szenenmaterial, mit dem wir selbstbewusst und froh in die Endproben gehen können.

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Choreografie-Satellit:
Der Choreografie-Satellit besteht aus vier Leuten und fliegt die ganze Woche sanft und bedacht neben UFO und Spaceships her, um alles Material, was diese Teams basteln und kreieren, liebevoll zusammenzukitten – heißt: Die Choreo-Leute generieren szenische Bausteine, mit denen die Gesamtgruppe den Beginn, die Übergänge und das Ende des Stückes gestalten kann.
Fragen, die in diesem Rahmen behandelt werden sind zum Beispiel: Wie kommen Menschen auf einer (Weltuntergangs-)Fachtagung zusammen? Wie begegnen sie sich? Wie weichen sie sich aus? Wie verhalten sie sich auf einer Versammlung? Wie verhalten sie sich angesichts des nahenden Weltuntergangs? Welche Bewegungsmuster haben Angst, Ohnmacht, Euphorie, Freude?
In drei Choreografie-Proben an drei Nachmittagen und auch noch später in den Endproben entsteht so eine Menge Material, was am Ende teils mehr, teils weniger ins Stück einfließt.
Die Proben selbst sind regelrechte Events, denn hier stehen fünfzig Leute vor jeweils einer Person, die über Sprachbarrieren hinweg Ideen vermitteln soll. Die Bilder, die dabei entstehen, sind großartig – die Diskussionen auch!

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Endproben und Premiere: Bereits ab Mittwochabend gilt es für das UFO-Team, an die Endproben zu denken – eine Dramaturgie muss entwickelt und das Probenmaterial sinnvoll und möglichst unumständlich zusammengesetzt werden. Im Grunde begreifen wir diese Arbeit als ein großes Puzzle: Die einzelnen Spaceships, dazu Szenen aus der Weltuntergangs-Inszenierung der Ukrainer*innen und die vielen Choreographie-Bausteine, die wir jeweils mit einem Gefühl übersetzen, um sie an sinnvolle Positionen im Gesamtablauf setzen zu können. Am Ende mehrerer Bastel- und Frickelstunden haben wir so einen detaillierten dramaturgisch-szenischen Fahrplan, der am Donnerstagabend in einem erweiterten UFO-Talk, das heißt, mit allen Leuten, die sich daran beteiligen wollen, überprüft und korrigiert wird.

img_9389Unsere Endproben am Freitag beginnen direkt mit einem technischen Durchlauf. Das Kommando liegt nun größtenteils bei einer Person, die aber in ständiger Absprache mit dem erweiterten UFO-Team steht. In der Mittagspause werden die Lichtstimmungen gebaut und beim zweiten technischen Durchlauf am Nachmittag überprüft und korrigiert. Zwischendrin finden sich immer wieder Leute für kleinere Proben und Absprachen zusammen, alles fließt energetisch wuselnd ineinander. Freitag Abend folgt die Generalprobe – das erste Mal Spiel ohne Unterbrechungen. Das eingeladene Testpublikum zeigt sich begeistert und auch wir sind froh, dass alles Erdachte so gut funktioniert.
Am Samstag verfeinern wir die letzten Szenen, wiederholen schwierige Choreografien und sprechen abschließend noch einmal alle Cues durch: Wer was wo wann? Danach gibt’s Pause und danach – Premiere! Wir gehen in einer Gefühlsmischung aus euphorisiert und unsicher hinein, selbst gespannt, ob und wie das alles laufen wird.
Die Reihen sind gut gefüllt, das Publikum konzentriert, die Aufführung fließend, der Applaus frenetisch. Hui! Jetzt kann gefeiert werden, aller Müdigkeit zum Trotz!

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Und sonst so
Verständigung … ist schon nicht einfach, wenn man die selbe Sprache spricht. In unserer Interfest-Woche sprechen wir einen Mix aus Englisch, Russisch, Ukrainisch, Deutsch und allen anderen Sprachparallelen, die sich sonst ergeben. Mehrere Personen übersetzen vom Deutschen ins Russische oder vom Englischen ins Ukrainische oder vom Ukrainischen ins Deutsche. Das gibt oft ein Durcheinander, denn Übersetzung braucht Zeit und bekanntlich ist die in dieser Woche knapp. Das Wichtigste ist die Verständigung über Körper und Gefühl: Aufeinander achten, sich Zeit geben, sich irgendwie erspüren. Diese Kommunikationskultur innerhalb der Proben spiegelt auch unsere Aufführung am Ende: Die verbale Sprache läuft als ein ästhetisches Mittel nebenbei; der Fokus liegt auf der Atmosphäre, auf den Körpern, auf der Gruppe, auf dem Gesamtbild.

Energielevel und Gruppendynamik … in unserer gemeinsamen Woche hängen wir alle fast durchgängig aufeinander. Das ergibt einen Sog, der sehr schön, aber auch sehr anstrengend ist. So eine Gruppe putscht auf und wenn sie weg ist, drückt die Müdigkeit durch. Gegen Ende der Woche haben wir das Gefühl, auf Kampnagel zu wohnen; in den Stuhlreihen der Zuschauertribüne sind über den Tag immer wieder kleine Schlaflager auszumachen. Manche müssen sich für eine Probe rausnehmen und sich ausruhen. Das funktioniert, denn die Gruppe fängt es auf und keiner muss sich schlecht fühlen. Dennoch – solch eine Woche mit solch einem Vorhaben – rückblickend ein sehr mutiges Unterfangen.

Essen … ist wichtig, auch wenn der*die eine oder andere das im Probentaumel gern mal vergisst. Unser Essensteam leistet Großartiges und manövriert uns sicher durch die kulinarische Woche: Mittlere Großevents sind die Kochaktionen im Café Knallhart auf dem Unicampus. Hier kochen wir Performance-Menschen normalerweise jeden Montag die „Pasta Performativa“ für den guten Zweck und für jede*n, der*die zum Essen vorbeikommen will. In unserer Probenwoche sind wir mehrfach dort und haben neben dem Essen an sich auch so eine gute Zeit mit Musik und Gesprächen. Davon abgesehen tingeln wir in den Probenpausen zwischen verschiedenen Mensen, Lieferdiensten und Falafel-Läden der Stadt und bescheren manch einem Geschäft ein ungewöhnlich hohes Tageseinkommen. Herausgehobenster Dank gilt dabei all den fleißigen Köch*innen, Einkäufer*innen, Foodsaver*innen, Abwascher*innen und Lots*innen im Rahmen dieser logistisch-kulinarischen Großveranstaltung.

dghdHinter den Kulissen … laufen nicht nur Proben, sondern auch viele andere Arbeiten. Das mitunter erweiterte Presseteam kümmert sich um Dokumentation, Berichterstattung und Streuung unserer Veranstaltung auf möglichst vielen Kanälen und bastelt nebenbei am Programmzettel für die Aufführung. Die Finanzmenschen laufen die ganze Woche Quittungen hinterher und sitzen regelmäßig verschwörerisch krakelnd und in ihre Unterlagen vertieft in irgendwelchen Ecken. Die Videomenschen schnippeln, korrigieren, untertitulieren und lassen rechnen. Die Schnittstellen-Menschen zwischen Hamburg und Kharkiv kümmern sich meist unauffällig um Gäst*innen-Fragen des täglichen Lebens: Apotheke, Bank, verknackste Füße, Einkaufsmöglichkeiten, Internet undsoweiterundsoweiter und natürlich gilt es, auch ein bisschen Freizeit und Sightseeing für die Ukrainer*innen zu organisieren: Elbphilharmonie gucken, Weihnachtsmarkt besuchen, ins Theater gehen, Mönckebergstraße unsicher machen, Stadt entdecken.

Feedback und Ausklang
Während der Proben ist uns immer wieder daran gelegen, möglichst viele Stimmen einzufangen, um die Meinung der Gesamtgruppe irgendwie gefasst zu bekommen. So gibt es zu einzelnen szenischen Arbeiten konkretes Feedback und am Ende jeden Tages ein kurzes Auswertungsgespräch.

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Einwortfeedback der ersten Zwischenpräsentation der spaceships…
children: big bang – fish without water – Erdbeben – shaking epleptic wargame – evolution revolution – Freundschaft – Erschöpfung – collective solidarity – lightness – if you fail, I fail – breath – joy – cooperation
artists: exchange – community – listening – Präzision – trying to find itself – tension – separated people – separation – repetition – who follows who – cows dancing – new language – hidden connection – no identity
politics: reality – Unterdrückung – slave – mundtot – der Schalk im Nacken – cheesecake is safety – social television – loving distraction – Kritik an Sicherheit – fake news – life between comedy and tragedy – violence – manipulation – kindness – laziness – you´re also strong
journalism: revolution – human beasts – game of thrones – cannibalism – artificial intelligence – Prometheus – Donald Trump – Harry Potter – hungry horniness – climate change – follow the strongest – you get what you deserve – thirsty for life
scientists: funny confusion – joy of failure – nerds – Kafka – system – playground for understanding – we are all watching – spaceship – fighting for power – constructing something together – clear system/unclear system – authentic confusion

Am Sonntag nach der Aufführung treffen wir uns alle noch einmal und veranstalten eine ausführliche Feedbackrunde zur gesamten Woche. Dabei entstehen unter anderem folgende Zeichungen:

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Was bleibt. Was kommt. Mehr als einen Monat später blicken wir in nostalgisch-glückliche Gesichter, wenn wir von unserer gemeinsamen Zeit bei Plündern – NAKT Interfest – Kharkiv meets Hamburg sprechen. Wir erinnern uns an Euphorie und Erschöpfung, sind stolz auf die gemeinsame Arbeit und die bewegt-fröhlich-inspirierten Publikumsstimmen. Wir freuen uns über die vielen neuen und oder vertieften zwischenmenschlichen Verbindungen und scrollen durch wunderschöne Fotos, die wir noch schöner und vielfältiger als Bilder im Kopf haben.

Aber das war erst der Anfang! Am 5. März wird die Hamburger Gruppe zum Gegenbesuch in die Ukraine reisen – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Was da passieren wird? Ähnliches wie in Hamburg, nur anders. Wird spannend. Wir werden berichten. Stay tuned! Bäm!

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~~~

Wer nach diesem langen Text noch Fragen hat, der wende sich vertrauensvoll an naktinterfest(at)gmail.com! Ein*e Vertreter*in des hiermit geouteten Pressedreamteams wird euch antworten:

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Herzlichst,
franzjakk

 

Fotos unter „Endproben und Premiere“ von Emma Szabo, alle weiteren (c)NAKT INTERFEST

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